Story Mapping

User Story Mapping als kollaborative Visualisierungstechnik

Klassisches Team-Building

Jeder von uns hatte bestimmt schon das Glück an einem Team-Building-Event teilnehmen zu dürfen.
Jede dieser Veranstaltungen fand in aller Regel außerhalb der Firma statt und sollte bewusst Abstand zum beruflichen Alltag schaffen – an sich eine gute Idee!

Leider verpufft der gewünschte Effekt bei diesem Ansatz häufig, sobald die Teilnehmer wieder zurück im Arbeitsalltag angekommen sind.
Das ist nicht überraschend, denn die täglichen Herausforderungen wurden beim Team-Building explizit ausgeblendet.

Forming, Storming, Norming, Performing

Wenn eine Gruppe von Menschen zusammengebracht wird, um an einem neuen Projekt zu arbeiten, so nennen wir diese häufig das „Projekt-Team“.
Dabei setzen wir ganz gerne voraus, dass sich die neu formierte Gruppe schnell wie ein Team verhält und von Anfang an gut eingespielt zusammenarbeitet.
Diese Erwartungshaltung ist meiner Ansicht nach naiv, denn sie verleitet dazu, die Anstrengungen der „Teamwerdung“ massiv zu unterschätzen.

„Ein Team ist keine Gruppe von Menschen, die zusammenarbeitet.
Ein Team ist eine Gruppe von Menschen, die sich gegenseitig vertrauen.“ (@simonsinek)

Eine neu formierte Gruppe durchläuft normalerweise mehrere Phasen der Teambildung (als Referenz sei hier das Phasenmodell nach Tuckman genannt), bevor sie sich wirklich als Team verhält.
Eine Garantie, dass diese Entwicklung zügig durchlebt wird oder generell erfolgreich ist, gibt es jedoch nicht.

Selbstverständlich gibt es einige Faktoren, die die Teambildung innerhalb einer Gruppe positiv beeinflussen, wie z.B.:
• Ein Arbeitsumfeld, welches Teamarbeit fördert
• Der richtige Mix an Menschen (Wissen und Persönlichkeit)
• Ein realistisches und erreichbares Ziel
• etc.

Doch selbst wenn alle diese Faktoren erfüllt sind, kann man sich nicht sicher sein, dass sich alles so entwickelt, wie erhofft.

Aktive Förderung der „Team-Werdung“

Es gibt Situationen, in denen der Übergang von der Storming- zur Norming-Phase ein unüberwindliches Hindernis für eine Gruppe darstellt.
Dieses trifft insbesondere dann zu, wenn die Gruppenmitglieder recht unerfahren sind und die Storming-Phase als Problem und nicht als normale Phase in der Entwicklung verstanden wird.
Zudem können externe Faktoren, wie bspw. hoher Lieferdruck, die Situation verschärfen – jeder arbeitet verzweifelt am Limit, nur leider jeder in eine andere Richtung.
Die Konsequenzen sind Chaos und Frustration, weil sich jeder schnell bewegt, aber keinen Millimeter von der Stelle kommt.

„Was mich betrifft – ich mag nur noch in Wertegemeinschaften arbeiten und versuche Schicksalsgemeinschaften zu meiden.“(@RolandDuerre)

Ein solches Setup ist dafür prädestiniert, Team-Building „on-the-job“ zu machen, anstatt miteinander bowlen oder klettern zu gehen.
Warum?
Jeder hat schon einmal selbst erlebt, wie sich Probleme aus Missverständnissen und unterschiedlichen Zielen oder Werten ergeben, die allesamt unausgesprochen bleiben.
Fehlende Transparenz (die man selbst natürlich auch nur sehr schwer erkennt) und als Folge falsche Annahmen und Entscheidungen sind hier des Pudels Kern.
Eine Gruppe kann in einer solchen Situation in einen Teufelskreis geraten
und sehr darunter leiden.
Schafft es die Gruppe jedoch aus eigener Kraft, diese Probleme zu identifizieren und zu lösen, kehrt sich der Effekt um: die Bindung zwischen den einzelnen Gruppenmitgliedern wird gestärkt und sie beginnen, sich gegenseitig zu vertrauen.
Und Vertrauen ist die Voraussetzung dafür, dass sich aus einer Gruppe von Menschen ein echtes Team bildet!

„Collaborative visualization“ als Team-Building- Maßnahme

Eine Möglichkeit, den Prozess der Teambildung aktiv zu unterstützen, ist der Einsatz von sogenannten „Collaborative Visualization Techniques“ (Tom Wujec erklärt in seinem TED-Vortrag das Prinzip hier sehr anschaulich).

Die Idee dahinter ist einfach, aber unglaublich effektiv – das gesamte Team erarbeitet gemeinsam ein Ergebnis und nutzt dabei einen Mix aus Wort, Schrift, Bild und Interaktion.
Eine Ausprägung dieses Ansatzes ist das aus der agilen Welt bekannte Story Mapping zur Anforderungsanalyse in Gruppenarbeit (der Erfinder Jeff Patton beschreibt es hier ausführlich).

Story mapping workshop

Story Maps sind ein intuitives und faszinierend einfaches Werkzeug um einerseits Anforderungen zu identifizieren und andererseits eine Gruppe von Menschen zur Zusammenarbeit zu motivieren.
Hierbei werden sehr schnell Missverständnisse und unterschiedliche Ziele oder Wertvorstellungen sichtbar und gleichzeitig führt die Visualisierung der gemeinsamen Ergebnisse nachhaltig zu hoher Transparenz.
Selbst für größere Gruppen taugt dieser Ansatz, indem die Gesamtaufgabe zerlegt und auf mehrere kleine Gruppen verteilt wird. Werden die Teilergebnisse später vor allen vorgestellt und diskutiert, ergibt sich für jeden Teilnehmer wieder ein schlüssiges Gesamtbild.

SM2

Durch die Präsentation im großen Rahmen fallen Lücken, unterschiedliche Sichtweisen und gar Querverbindungen zwischen den unabhängig erarbeiteten Teilergebnissen auf und finden so angemessene Beachtung.
Durch die Interaktion mit allen Teilnehmern und der intuitiven Darstellung entwickelt die gesamte Gruppe ein gemeinsames Verständnis Ihrer Mission.

Präsentation für die gesamte Gruppe

Diese Technik unterstützt eine Gruppe darin, die eigene Unsicherheit zu überwinden und ein klares Bild ihrer Situation und Aufgabe zu erarbeiten.
Die wiederum auf diesem Weg geschaffene Transparenz und die Zusammenarbeit steigert die Selbstsicherheit und das Vertrauen innerhalb der Gruppe.
Die Gruppe manövriert sich somit quasi selbst aus der Gefahrenlage heraus.
Durch diese positive Erfahrung ist ein solches Team-Building „on-the-job“ sehr viel wertvoller und vor allem nachhaltiger, als gemeinsam bowlen oder klettern zu gehen.
Sie verändert schließlich sehr konkret den Arbeitsalltag zum Positiven.

Zusammenfassung

Innerhalb eines Team können starke Reibungsverluste auftreten, die seine Entwicklung bremsen oder gar verhindern können.
Diese sind oft schwer zu greifen und können unterschiedliche Ursachen, wie mangelnde Erfahrung, zu hoher Druck oder unklare Ziele, haben.
In einem solchen Fall führt ein Team-Building „on-the-job“ eher zu einer gewünschten Verbesserung, als eine arbeitsferne Veranstaltung.
Techniken aus dem Bereich der „Collaborative Visualization“, wie bspw. das User Story Mapping, können eine große Hilfe sein, einerseits ein wertvolles Ergebnis zu produzieren und andererseits ein Team zusammen zu schweißen.
Versuchen Sie es einmal!

Dieser Artikel entstand in Zusammenarbeit von Markus Ingendahl und Michael Brandt, die gemeinsam einen User Story Mapping Workshop für den Start eines Entwicklungsprojektes durchgeführt haben.
Die englische Version des Artikels findet man hier.

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