Stetige Verbesserung von Arbeitsabläufen durch Kanban – Ein Erfahrungsbericht

In einem aktuellen Kundenprojekt setzt Colenet seit 6 Wochen Kanban ein, um Daten und Fakten über den aktuell verwendeten Entwicklungsprozess zu gewinnen.

Ziel ist hierbei die kontinuierliche Verbesserung und Optimierung des eigenen Vorgehens. Bei diesem Kundenprojekt geht es um die Entwicklung von Software-Integrationstests und um die Testautomatisierung im Bereich Embedded Software Engineering.

Kanban BoardManagement by View: Das Colenet Kanban-Board bei unserem Kunden

Der Einsatz des Kanban-Verfahrens hat zu einer Reihe interessanter Erkenntnisse geführt, die an dieser Stelle kurz dargestellt werden:

1. Planbarkeit

In einem komplexen Umfeld (Softwareentwicklung in einem Großprojekt) kann und sollte deutlich weniger detailliert geplant werden, als es im Allgemeinen angenommen wird.
Unser Betrachtungszeitraum bzw. Planungshorizont für die folgenden Ergebnisse war jeweils nur eine Woche lang.
Wie die folgende Abbildung zeigt, kann in unserem Kontext nur 40% – 50% der anstehenden Arbeit sicher geplant werden.

geplante vs. ungeplante AufgabenDas überraschende Verhältnis von geplanten zu ungeplanten Aufgaben

Diese Tatsache wird nun bei den weiteren Planungen berücksichtigt. Die Arbeitsergebnisse unseres Teams können so schnellstmöglich und mit verlässlicher Terminzusage anderen Projekt-Beteiligten zur Verfügung gestellt werden.
Zu Beginn war uns das Verhältnis von planbarer zu nicht planbarer Arbeit nicht bewusst. Dies führte zu einer anfänglichen Überplanung, deren Auswirkungen die folgende Grafik zeigt:

Durchschnittliche Durchlaufzeit von Arbeitspaketen in StundenDarstellung der Durchlaufzeit von Arbeitspaketen über die Spanne von sechs Wochen

Die Durchlaufzeit (Lead Time) eines Arbeitspaketes ist die Zeitspanne vom Eintritt des Paketes in das System bis zur Fertigstellung der Arbeit.
Da wir zu Beginn nicht wussten wie viel Ungeplantes zu erledigen war, haben wir deutlich mehr geplant, als wir wirklich erledigen konnten. Die nicht erledigten Arbeitspakte sind dann auf unserem Kanban-Board „gealtert“ und haben zu einer immer schlechteren durchschnittlichen Durchlaufzeit geführt.
Die Verlässlichkeit des von uns genannten jeweiligen Fertigstellungstermins hat sich dadurch ebenfalls negativ verändert. Nach den Erkenntnissen der letzten Wochen sind wir nun wieder bei einer durchschnittlichen Durchlaufzeit von 30 Stunden pro Arbeitspaket angekommen.
Die Tendenz ist dabei immer noch fallend und wir sind gespannt auf welche Höhe sich die Durchlaufzeit – mehr oder weniger parallel zur X-Achse – einpendeln wird.

2. Steigerung der durchschnittlichen Anzahl der erledigten Arbeitspakete pro Woche

Zu Beginn der Einführung von Kanban haben wir mit sehr großen WIP-Limits (WIP = Work in Progress) gearbeitet, was dazu führte, dass wir an vielen Aufgaben parallel gearbeitet haben.
Beginnend mit dem 3. Betrachtungszeitraum haben wir die WIP-Limits für die verschiedenen Phasen unseres Entwicklungsprozesses Stück für Stück reduziert. Zur gleichen Zeit wurde im Teamraum ein Plakat mit dem Kanban-Prinzip „Stop Starting, Start Finishing“ und einer Reihe weiterer Regeln aufgehangen. 
Die „neuen“ Regeln sind Ergebnisse der regelmäßig durchgeführten Retrospektiven und stammen allesamt vom Entwicklungsteam. 
Beide Aktivitäten haben zu einer erfreulichen Steigerung der erledigten Arbeitspakete geführt, was die folgende Abbildung zeigt:

Erledigte Arbeitspakete nach 6 Wochen KanbanStetige Erhöhung der erledigten Arbeitspakete

Wir gehen aktuell davon aus, dass wir zuverlässig zwischen 45 und 65 Arbeitspakete (Es handelt sich um ein 4 Personen-Team) pro Woche erledigen können. Ob diese Annahme stimmt, werden die nächsten Wochen zeigen.

3. Teamfeedback

Das Team hat die Einführung von Kanban durchweg als positiv bewertet und die Veränderung des Vorgehens bereitwillig angenommen.
Folgende Aussagen des Teams bestätigen diesen Eindruck:

  • „Die Arbeit geht gefühlt schneller“
  • „Alles ist transparenter und man weiß zu jeder Zeit, was die anderen gerade tun“
  • „Die Terminzuverlässigkeit steigt“
  • „Die Arbeit läuft deutlich strukturierter ab“

4. Fazit

Colenet hat im aktuellen Kundenprojekt sehr gute Erfahrungen mit der Einführung von Kanban gemacht. Da das Team offen für eine Veränderung war und auch bereits agile Werte vom Team gelebt wurden, hat sich der Einsatz von Kanban als sehr positiv dargestellt. Auf der Basis unserer Erfahrungen können wir Kanban durchaus empfehlen.

Da Kanban an sich keinen Bezug zur Softwareentwicklung hat, kann dieses Verfahren in allen Bereichen eingesetzt werden, in denen Menschen als Team arbeiten, um gemeinsam etwas zu erreichen.
Wenn Sie weitere Fragen oder Anregungen haben oder wenn Sie noch mehr über Kanban und unsere Erfahrungen wissen möchten, dann wenden Sie sich an info@colenet.de oder nehmen Sie über unsere Webseite – www.colenet.de – Kontakt mit uns auf.

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